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  • Merfyn

Merfyn stellt sich den Fragen


Erstaunlicherweise wollen die Leute tatsächlich etwas über mich wissen. Aber ich bin als Dämonenbote kaum so eitel mich selbst zu befragen – obwohl mir gerne anderes unterstellt wird. Dementsprechend übergebe ich heute an eine andere Persönlichkeit. Jemanden, mit dem ich nie sonderlich gut ausgekommen bin und was ganz sicher nicht an mir liegt.

„Ach nein?“

„Azrael, altes Haus! Wie geht’s dir? Wie lang hörst du denn schon zu?“

„Lange genug, um zu verstehen, warum du als die Nervensäge höchst selbst giltst. Und jetzt gib den Fragebogen her.“

Mir wurde also so eben die Macht über die Fragen entzogen, wobei ich hoffe, dass sich der oberste unter den Engel des Todes auch an die Vorgaben hält.

„In deinen Träumen, was? Warum sollte ich wissen wollen, ob du ein Frauenmagnet bist?“

„Na du nicht, aber die Leser interessiert es sicher. Besonders die Frauen.“

„Ist nicht so und jetzt hör auf so dumm zu grinsen. Also, mal eine Frage, wie kommt es, dass man bei dir nie weiß wie man dran ist?“

„Das steht aber nicht auf dem Fragebogen.“

„Beantworte sie einfach.“

„Weiß doch jeder. Ich bin der freundliche Dämonenbote, der für jedes Anliegen ein offenes Ohr hat und zugleich …“

„Ein Wunder, dass du bei der Menge an Lügen innerhalb eines Satzes nicht gleich in Flammen aufgehst, Merfyn. Raus mit der Wahrheit. Warum steigt man von der ersten Seite an nicht hinter deine wahren Absichten?“

„Schön, um ehrlich zu sein, war mein Verhalten von Seiten der Autorin so nicht geplant. Allerdings, als ich in Wien saß, kam unserer Autorin der Gedanke sie müsse eine Wendung einbauen. Quasi Abrücken vom Klischee eines Dämons. Ich muss zugeben, ich bin ihr dafür sehr dankbar. Sie eröffnete mir damit die Möglichkeit mich aktiver ins Geschehen zu schmeißen.“

„Ja, im wahrsten Sinn des Wortes. Wie war es für dich einen gläubigen Mann an der eigenen Seite zu wissen?“

„Einfach war es nicht. Überhaupt waren die Szenen etwas, an dem ich doch verzweifelt bin. Mir war in den Momenten nicht klar, ob die Autorin selbst wusste, in welche Richtung es gehen sollte. Die Handlung wurde einige Mal von ihr verworfen, wieder eingefügt und umgeschrieben. Ich denke, jetzt ist sie damit genauso zufrieden, wie ich es sein kann.“

„Das beantwortete die Frage nicht wirklich. Wie war es mit einem gläubigen Mann in deiner Nähe?“

„Hör ja mit dem selbstgefälligen Grinsen auf, Azrael. Ich weiß worauf du abzielst. Und wenn ich hier schon die Wahrheit sagen soll: Es war anstrengend bis zum letzten Moment. Eher würde ich mich von Luzifer in Brand stecken lassen und mit offenen Wunden herumlaufen, als dass noch mal mitzumachen.“

„Geht doch. Tut weh, die Wahrheit so offen auszusprechen, wenn man nur ans Lügen gewöhnt ist, oder?“

„Ist das eine relevante Frage?“

„Wie würdest du es denn sehen?“

„Als absolut nervig. Ist das hier eine kleine Rache, weil ich Vincent versucht habe auszufragen?“

„Sieh es wie du willst, Merfyn. Du bist der heimliche Held des Buches. Ist dir das irgendwie unangenehm?“

„Nein, überhaupt nicht. Hast du eine Ahnung, wie mir die Dämoninnen seit neuestem nachrennen? Ich kann mich vor Angeboten kaum retten.“

„Sarkasmus?“

„Nicht die Spur, Azrael. Warum, bist du eifersüchtig?“

„Worauf denn?“

„Weiß nicht. Auf mein Leben?“

„Wo du das Thema schon selbst anschneidest, wie gefällt es dir, dass die Leute einen Blick hinter den Dämon Merfyn werfen dürfen? Also einen Moment in deine Vergangenheit erhaschen? Du erschienst mir bei der Szene äußerst emotional.“

„…“

„Merfyn, war die Frage zu viel?“

„…“

„Merfyn?“

„Ich suche noch nach den richtigen Worten … Um ehrlich zu sein, hätte ich darauf verzichten können. Aber mir war klar, dass ich aus der Lage nicht mehr herauskam. In dem Punkt habe ich mir eindeutig mein eigenes Grab geschaufelt. Ich weiß nicht, ob die Leute mit der Erklärung zufrieden sein werden. Womöglich wirft sie mehr Fragen auf, als tatsächlich beantwortet werden. Unter Umständen versteht man mich dadurch besser – mein Werden und Sein. Ich hoffe es jedenfalls.“

„Gegen das Ende des Buches hin hast du noch einige sehr emotionale Stellen. Darf man die so verstehen, dass du der Autorin dermaßen auf die Nerven gegangen bist, damit sie dich noch mal auf der Bildfläche erscheinen ließ?“

„Das streite ich mal aufs tiefste ab. Irgendwem gebührte doch das Ende für das Buch.“

„Das hast du aber nicht inne.“

„Nein, aber auch nur deswegen, weil das Buch nicht heißt „Merfyn, der einzig wahre Dämonenbote“. Das wäre mal ein Titel.“

„Jetzt gib der Autorin nicht etwas vor. Immerhin hat sie jedem von uns deutlich klar gemacht das nach sieben Büchern Schluss ist.“

„Behauptet das nicht jeder Autor, Azrael? Du hast auch mal zu mir gesagt, du kannst mich nicht leiden und ich wäre eine falsche Schlange. Trotzdem sitzt du mir hier gegenüber, hast mir noch nicht mit dem Bleistift ein Auge ausgestochen und dich selbst hast du auch nicht stranguliert. Scheint als kämen wir allmählich miteinander aus.“

„So würde ich das nicht behaupten.“

„Ach nein?“

„Nein, Vincent hatte eigentlich den kürzeren Strohhalm, aber er meinte, dass er dir höchstwahrscheinlich an die Gurgel geht, wenn du ihn bei jeder Antwort Viny nennst. Demnach hielt ich es für besser mit ihm zu tauschen.“

„Das ist äußerst deprimierend, Azrael. Und ich dachte wir wären an einem Punkt, wo wir einen trinken gehen und über die guten alten Zeiten reden.“

„Wir hatten niemals gute Zeiten, Merfyn. Du stehst übrigens nicht mehr in Dantalions Diensten. Wie hältst du dich den über Wasser?“

„Also bitte, frage ich dich nach deiner gegenwärtigen Beschäftigung?“

„Ich bin der oberste Engel des Todes. Was glaubst du wohl was ich zu tun habe?“

„Ist ja gut! Du musst nicht gleich patzig werden. Ich bin gerade … Na, nennen wir es Urlaub. Das mache ich also. Urlaub.“

„Du bist arbeitslos, was?“

„Ja, auch Dämonen haben mal eine Durststrecke.“

„Man munkelt, dass in der Hölle fähige Leute gesucht werden.“

„Ach ja? Ist mir ganz neu.“

„Wäre vermutlich für dich mal wieder Zeit einen Abstecher zu Luzifer zu machen. Aber eine andere Frage, wirst du in den Folgebändern noch mal auftauchen?“

„Ich halte es da ähnlich wie Vincent. Wenn er auf der Bildfläche erscheint, werde ich sicher ebenfalls einen Platz finden. Bin ja eine der beliebtesten Figuren, wie du so treffend anmerktest. Eines kann ich jedenfalls entgegen der Geheimhaltungsklausel, die ich für diesen Blog unterzeichnen musste, verraten: ich bin keineswegs weg vom Fenster. Irgendwie tauche ich immer auf und da wo ich bin, ist die nächste Katastrophe nicht weit.“

„Das ist mal nicht zu leugnen.“

„Hör auf so blöd zu lachen, Azrael. Du weißt genau, wie ich das meine. Ich stolpere von alleine in diese Situationen.“

„Ja, kopfüber und ganz ohne dein Zutun.“

„Sehr richtig. Und damit beende ich diese Unterhaltung.“

„Soll mir recht sein, Merfyn. Wir sehen uns gewiss wieder.“

„Ja, bei deiner Fragerunde!“

Und weg ist er. Ich frage mich, ob Azrael nicht bezüglich des Strohhalmtausches gelogen hat. Vincent hätte sich das sicher nicht entgehen lassen. In jedem Fall freue ich mich, schon bald wieder selbst den Fragebogen ausfüllen zu dürfen und euch mit den neuesten Informationen zu versorgen. Bis dahin verbleibe ich als euer geschätzter, geliebter, geachteter und dämonischer Merfyn.

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