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  • Merfyn

... Amymon


Ich bin zurück!

Gut, das mag für euch keine große Überraschung sein, aber nachdem ich letztens so unfreundlich von Prinz Seere aus Breslau geworfen wurde hatte ich kurzfristig doch Schiss davor mich bei diesem Blicken zu lassen. Aus dem Grund suche ich heute auch erstmal Großfürst Amymon im Buckingham Palace auf – oder das, was davon halt noch steht.

„Großfürst, es ist mir eine Ehre Euch gegenübertreten zu dürfen. Ein Stuhl wäre zwar nicht schlecht, aber …“

„Hat der Bote etwas auszusetzen?“

„Nein, wo kämen wir denn da hin? Allerdings bin es heute ich, der die Fragen stellt, also, wenn Ihr die Güte besitzen würdet und mich nicht unterbrecht bin ich ganz schnell wieder weg und Ihr könnt mit der gewohnten Audienz zu Tage schreiten.“

„…“

Na ja, schweigen hatte ich nun nicht erwartet. Dafür habe ich wenigstens noch meinen Kopf und scheine die Erlaubnis zu erhalten sprechen zu dürfen.

„Ähm, ja. Ich fang dann einfach mal an. Also wie lebt es sich denn so mit einer Heilerin wie Perla in London?“

„Leben? Nun der Bote wird präziser werden müssen. Immerhin lebe ich mit ihr nicht im gleichen Gebäude.“

„Was ich meine ist; wie arbeitet es sich mit ihr? Hat sich Perla bereits an die Gepflogenheiten hier gewöhnt?“

„Wenn dem so wäre hätte ich wohl als erster davon erfahren. Aber um die Frage richtig zu beantworten: Nein. Die Heilerin ist eine äußerst … impertinente Persönlichkeit, die sich an manchen Tagen deutlich zu viel herausnimmt. Ein Umstand, der mir keineswegs gefällt. Bedauerlicherweise kann ich es nicht ändern, da ich zwar für ihre Freilassung bezahlt habe, jedoch nicht über sie verfüge. Perla gehört nur einem einzigen von uns und das ist Prinz Seere, wie du dich gewiss entsinnen wirst, Bote.“

„Ja, kann mich erinnern. Was ist eigentlich an den Gerüchten dran, die allmählich die Runde machen?“

„Welche Gerüchte?“

„Ach kommt schon, Großfürst, Ihr wisst wovon ich rede. Die Tatsache, dass der Prinz und die Heilerin in diesem Buch mit einigen Überraschungen erster Klasse aufwarten.“

„Ach das? Nun, ich bin mir sicher, dass du dich davon selbst überzeugen wirst, Bote. Immerhin bist du doch aus diesem Grund hier. Weil du erfahren willst, ob es der Wahrheit entspricht und welche Auswirkungen es haben wird.“

„Seid Ihr über die möglichen Nachwirkungen nicht ebenfalls beunruhigt?“

„Warum sollte ich? Ich habe damit herzlich wenig zu schaffen und werde mich in solcherlei Dinge nicht einmischen. Ich habe den Prinzen einst in vielerlei Hinsicht gewarnt. Er hat meine Worte in den Wind geschlagen und nun stehen wir vor etwas, das wir in keiner Form mehr in der Hand haben. Eigentlich ein bedauerlicher Umstand. Zugleich frage ich mich jedoch, ob es nicht neue Möglichkeiten bietet. Das eine genauso wie das andere.“

„Dann habt Ihr es damals als Fehler angesehen, seht es jetzt nicht anders, aber wollt Euch nicht näher damit befassen?“

„Ich kümmere mich um Belange meiner Untergebenen, wenn es die Situation erfordert. Prinz Seere mag in meinen Diensten stehen, doch das bedeutet noch lange nicht, dass ich über jede seiner Entscheidungen urteile. Selbst wenn es der Fall ist, ist dies eine Sache, die hinter verschlossenen Türen geregelt gehört und nicht vor den Ohren eines gesamten Hofstaates.“

„Im Grund hat der Prinz aber ganz zu Beginn nichts Anderes getan, oder? Er hat Euch in die Enge getrieben mit seinen Worten.“

„…“

„Ihr wollt Euch darüber nicht unterhalten, richtig?“

„Welch eine Weitsicht du für einen Boten besitzt. Es erstaunt mich wenig, dass du es so weit gebracht hast, Merfyn.“

„Ich fasse das mal als Kompliment auf.“

„Solltest du. Die wenigsten gelangen zu solch einer Ehre und jenen denen es vergönnt ist erkennen es mitunter gar nicht.“

„Ja, danke. Kommen wir doch auf Euch zurück. Warum London? Aus welchem Grund gerade diese Stadt und noch dazu eine ganze Insel für Euch alleine?“

„Als König Bael mich vor über dreitausend Jahren befreite stieg in mir der Wunsch hoch etwas für mich alleine zu besitzen. Bereits in der Hölle gehörte mir ein ganzer Abschnitt alleine. Ein einsamer Flecken auf dem ich walten konnte wie es mir beliebte. Genau danach habe ich auch hier gesucht. London erschien mir eine logische Konsequenz. Allerdings auch nur, weil ich nicht der Freund des Südens und der Hitze bin. Hoch in den Norden wollte ich jedoch genauso wenig. Die Kälte lässt das Gefieder stets aussehen, als wäre es mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Also entschied ich mich für die goldene Mitte.“

„Und Ihr glaubt hier weniger wie ein gerupfter Adler auszusehen?“

„Wie kannst du es wagen, du Wurm? Wer erlaubt dir derart mit mir zu reden? Geh mir aus den Augen! Verschwinde aus meinem Palast bevor ich dich hinausjagen lasse wie einen räudigen Köter!“

Merfyn meldet sich gerade ab, indem er um sein Leben rennt. Das erste Interview nach der Pause scheint ihn vergessen haben zu lassen, mit wem er sich hier unterhält. In dem Sinne verabschiedet sich die Autorin von euch und wünscht euch weiterhin viel Vergnügen mit Merfyns mittwochsmäßigen Unterhaltungen – na ja, falls er schnell genug läuft und überlebt.

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